Herzlich Willkommen in unserer Reisewelt
Costa Rica - Warnung vor den kreuzenden Faultieren
Warnung vor den kreuzenden Faultieren

Costa Rica 02.04. bis 25.04.2016

Ich kann nicht sagen warum, aber das kleine Land Costa Rica hat mich schon lange fasziniert. Wunderbare Natur, tolles Tierreich, freundliche Bewohner und eine sehr sympathische Fußballnationalmannschaft. Alles gute Gründe, warum die nächste große Rundreise nach Costa Rica gehen sollte. Eigentlich wollten wir ähnlich vorgehen, wie bei unseren Reisevorbereitungen zu Südafrika und alles selbst in die Hand nehmen. Das fiel uns jedoch bei Costa Rica extrem schwer, da wir irgendwie nicht so richtig durchblickten. Und zudem wurde überall davon abgeraten, individuell und ohne Spanischkenntnisse durch Costa Rica zu reisen.

Aufgrund zunehmender Verunsicherung, wendeten wir uns an Moja Travel, einen Online-Reiseanbieter, der u.a. auf Zentralamerika spezialisiert ist. Nach kurzer Zeit hatten wir ein Reiseangebot, ganz nach unseren individuellen Wünschen vorliegen. Zumindest was die Planung und Reiseroute anging, war das Angebot perfekt. Der Preis schockierte uns jedoch zunächst. Wir wussten zwar, dass Costa Rica eines der teuersten Reisedestinationen in Mittelamerika ist, der Preis von 2980 Euro pro Person, wohlgemerkt ohne Flug, musste uns erst einmal einige Nächte über das Projekt Costa Rica schlafen lassen. Wir hätten durch Streichen der teuersten Option, dem Dschungelabenteuer – dazu später mehr – einige hundert Euro pro Person sparen können, das kam aber für uns nicht in Frage. Entweder ganz gewagt oder gar nicht. Und so buchten wir die Reise, ohne eigentlich genau zu wissen, auf was wir uns da teilweise eingelassen hatten.

Vorbereitet habe ich uns mit den Reiseführern von Iwanowski und Gaia. Der Reiseführer von Iwanowski war wirklich ausgesprochen hilfreich und gut und übersichtlich aufgebaut. Der Reiseführer von Gaia bietet hilfreiche Routenvorschläge in unterschiedlicher Dauer. Da unserer Route bereits vorgegebenen war, nutzte ich diesen nur für Restaurantempfehlungen. Da ich kurz vor Abflug am Flughafen bemerkte, dass ich beide Reiseführer zu Hause vergessen hatte, entschied ich mich im dortigen Bücherladen für die günstige Notfallvariante von Marco Polo. Dieser kann aber mit dem von Iwanowski nicht mithalten.

02. + 03.04.2016 Anreise San José
Palma Real Hotel 

Knapp 2 Jahre nach den ersten Planungsschritten für diese Reise sind jetzt vergangen und heute ist es endlich so weit. Wir reisen nach Costa Rica! Mit KLM, einer ausgesprochen guten Airline, fliegen wir von Düsseldorf nach Amsterdam und von dort, nach 6 Stunden Aufenthalt, weitere 11 Stunden nach Panama. In Panama legen wir einen kurzen Stopp ein und fliegen mit der Fluggesellschaft Copa eine weitere Stunde nach San José, der Hauptstadt von Costa Rica. Aufgrund der Zeitverschiebung von 6 Stunden kommen wir am frühen Abend in San José an. Von Moja Travel wurde ein Transfer vom Flughafen zum Hotel Palma Real organisiert.

Da wir nur für die Nacht in dem Hotel untergebracht sind, können wir nicht wirklich viel zum Hotel sagen. Wir haben uns aber sofort wohl gefühlt und das Hotel machte einen sehr guten ersten Eindruck.

03. – 05.04.2018
Braulio Carillo Nationalpark, Tortuguero und Tortuguero Nationalpark
Mawamba Lodge 

Für die kommenden Tage steht ein Besuch des Dörfchens Tortuguero, dass nur auf dem Wasserweg zu erreichen ist, auf dem Programm. Das kleine Dorf, ohne jeglichen Fahrzeugverkehr, war früher ein Holzfäller- und Fischerdorf und liegt mit 700 Einwohnern im Tortuguero Nationalpark an der einzigartigen Karibikküste im Nordosten des Landes. Der Nationalpark beheimatet eine Vielzahl an Tieren, wie Brüllaffen, Kapuzineraffen, Kaimanen, Faultiere, Schlangen etc. Für die Reise dorthin ist allerdings eine zweitägige Gruppenreise notwendig, denn so einfach ist das Dörfchen nicht zu erreichen, schon gar nicht als individuell Reisende.

Faultier Costa Rica
Faultier

Wir werden am frühen Morgen von einem Reisebus abgeholt, der uns mit ca. 40 anderen aufgeregten Insassen durch den Braulio Carillo Nationalpark in Richtung Bootanlegestelle Cano Blanco cruist. Wir haben einen vorwitzigen, sympathischen Guide an Bord, der uns auf der Fahrt viel über das Land und seine Bewohner, Ticos und Ticas genannt, erzählte. Wir fahren an Bananaplantagen und wunderschönen Wäldern vorbei und ab und zu halten wir an, weil es etwas ganz besonderes zu sehen gibt: wie das erste Faultier, dass wir jemals live und in Farbe – nämlich braun – zu Gesicht bekommen. Schläfrig und die Äuglein auf halb acht, sitzt es dort oben desinteressiert in einem Baum.

Für die Reisenden, die mit dieser Tour ihren Costa Rica Urlaub starten, ist das kleine Faultier ein Highlight und alle rasten aus, wodurch sich das Tierchen jedoch nicht aus der Ruhe bringen lässt. Für die, die dieser Stopp der letzte auf ihrer Rundreise ist und die offensichtlich in den letzten Wochen etliche Faultiere zu Gesicht bekommen haben, reicht es für einen müden Blick in die Baumkrone, dazu muss man nicht mal aus dem Bus aussteigen. Egal, wie viele Faultiere ich in diesem Urlaub noch sehen werde, ich kenne mich und ich werde immer ausrasten und ganze Speicherkarten mit Faultierfotos füllen.

Unterwegs machen wir eine kleine Pause und wir bekommen unser erstes einheimisches Frühstück serviert. In Costa Rica – und vermutlich auch den anderen mittelamerikanischen Ländern – werden eigentlich zu jeder Speise Reis und Bohnen serviert, so auch zum Frühstück. Dazu gibt es Eier, Gemüse, leckere Früchte und Brot und ich muss sagen, wir sind positiv überrascht. Zwar ist das Essen ganz anders als bei uns und recht gewöhnungsbedürftig, aber es schmeckt uns.

Tortuguero, Costa Rica
Tortuguero, Costa Rica

Die Bootsfahrt nach Tortuguero dauert circa 2 Stunden und so kommen wir am Nachmittag an unserer Unterkunft an. Das Hotel ist perfekt, hat einen sehr schönen Pool, gemütliche, saubere Zimmer, liegt direkt am naturbelassenen und rauen Strand, der scheinbar nur durch uns besucht wird. Das Dörfchen Tortuguero ist von hier in nur ca. 20-30 Minuten zu Fuß zu erreichen. Gut, dass wir Vollpension haben, denn Möglichkeiten außerhalb zu Essen scheint es nicht zu geben.

Wenn es etwas Negatives zu berichten gibt, dann höchstens, dass sich hier und im Dorf die Touristen tummeln. Aber so ist das nun mal, die Attraktionen des Landes möchte jeder sehen. Zum Glück ist das Gelände sehr weitläufig …

Unsere 40-köpfige Gruppe wird aufgeteilt und wir spazieren am Nachmittag mit dem uns zugewiesenen Guide zum eigentlichen Ortskern Tortuguero. Hier geht es scheinbar sehr entspannt zu. Über uns in den Baumkronen springen Affen von Ast zu Ast und inmitten ihres Gebrülls, scheinen die Bewohner frei nach dem Motto „in der Ruhe liegt die Kraft“ zu leben. Einer schläft auf einer Bank, der andere unter einem Baum und wieder ein anderer beobachtet die wissbegierigen Touristen aus sicherer Entfernung. Am Straßenrand versucht der ein oder andere seine handgefertigten Souvenirs unter die Leute zu bringen, aber keinesfalls aufdringlich … im Gegenteil.

Die Menschen hier haben nicht viel und leben in für uns fast unvorstellbaren, einfachen Verhältnissen. Sie wohnen in Häusern, die wir nicht mal als solche bezeichnen würden. Auf den Straßen flitzen lachende Kinder, mit einer so wunderbaren Leichtigkeit umher und neugierig um uns herum, als würden wir dazu gehören. Man kann sich gar nicht vorstellen, dass dieses Dorf so von der Außenwelt abgeschottet ist.

Dorfleben Tortuguero Costa Rica
Dorfleben Tortuguero

Unser Guide lässt uns zurück, den Weg zur Unterkunft kennen wir ja und so kann jeder noch so viel Zeit im Dorf verbringen wie er möchte. Uns wird allerdings angeraten, vor Anbruch der Dunkelheit wieder an der Lodge zu sein. Scheinbar ist die Kriminalität an diesem abgeschotteten Teil, der sich gefühlt am Ende der Welt befindet, auch schon angekommen.

Am darauffolgenden Morgen nehmen wir nach dem Frühstück an einer Gartenerkundung teil. Der Garten der Lodge ist gigantisch groß und es gibt viel zu sehen. Unser Guide zeigt uns in 2 Stunden diverse Pflanzen, Gewürze und Tiere. Auf einem Baum sonnt sich eine Schlange, eine Baby-Boa, wie uns der Guide erklärt.

Ich finde das ziemlich faszinierend, bin mir aber ziemlich sicher, dass ich die ausgewachsene Version lieber nicht sehen will. Der Guide ist mutig und möchte uns die „Kleine“ man aus der Nähe zeigen, wird jedoch beim Versuch sie zu greifen direkt gebissen und blutet. Er hält dabei aber tatsächlich die Schlange weiterhin in der Hand. Gut, dass er ein Pflaster dabei hat.

In der Anlage gibt es ein Schmetterlings- und Froschgehege. Hier schauen wir uns kurz die bunten und teilweise giftigen Tierchen an und lernen: je bunter, je giftiger. Und wenn es dann auch noch bunt oder sogar rot UND nachtaktiv ist, dann ruhig verhalten und unter keinen Umständen beißen lassen … und wenn man doch gebissen wird, am besten ein Foto des Tieres machen, damit man schneller das passende Gegengift besorgen kann. Das ist vor allem bei Schlangen ein sehr hilfreicher Tipp. Warum, erfahrt ihr etwas weiter unten, beim Dschungelabenteuer.

Boa im Garten unserer Lodge Costa Rica
Boa im Garten unserer Lodge

Nach der Gartensafari steht eine Bootstour durch die Canales de Tortuguero, auch „Kanäle des kleinen Amazonas“ genannt, auf dem Programm. Mit etwas Glück sieht man hier die Brüllaffen, die wir jedoch meistens nur hören, Faultiere, Tukane, bunte Frösche, Tarpune, Kaimane und Schildkröten. Nach zwei Tagen endet unser Besuch in Tortuguero. Wie es nach Tortuguero hin ging so ging es auch wieder zurück.

Fazit Tortuguero
Wir sind froh, dass wir uns für eine Reise dorthin entschieden haben, auch wenn wir im Vorfeld aufgrund der Gruppenreise nicht so euphorisch waren. Für die kurze Dauer schien das aber völlig in Ordnung. Trotzdem waren wir froh, dass wir anschließend individuell unterwegs waren.

Für den Start der Reise in Costa Rica ist Tortuguero auf jeden Fall zu empfehlen, um die erste „Costa Rica-Luft“ zu schnuppern. Ich rate allerdings davon ab, das Dörfchen am Ende der Reise zu besuchen, denn ich glaube, dadurch geht die Besonderheit, die der Ort ausstrahlt, verloren. Für ein erstes „beschnuppern“ von Costa Rica eignet sich diese Tour hervorragend.

05. – 08.04.2016
Südkaribik mit Dschungelabenteuer … und das WAR ein Abenteuer.
Selva Bananito Lodge 

Wieder im Reisebus, mit den 40 anderen Touris an Bord, fahren wir los in Richtung Zivilisation. Von unserem Reisebusfahrer werden wir plötzlich im Nichts aus dem Bus verwiesen. Alle anderen dürfen weiter mitfahren. Es heißt, es habe eine Planänderung gegeben. Jetzt gibt es zum ersten Mal Verständigungsprobleme und mir wird klar, was es mit der Problematik um die fehlenden Spanischkennntissen auf sich hat, von denen alle so viel erzählt und geschrieben haben. In einer Englisch-Spanisch-Zeichen-Mixsprache werden wir mitsamt Gepäck vor die Tür eines einsamen Restaurants in der Pampa gesetzt. Warum … keine Ahnung. Etwas rat- und hilflos warten wir … und warten.

Nach einer Stunde warten, in tiefster spanischsprechender Einöde, werden wir dann doch etwas nervös und suchen mittels Google-Translator nach dem passenden Vokabular, dass uns aus dieser unfreiwillig herbeigeführten Situation helfen könnte. Und als wir schon nicht mehr damit rechnen, fährt ein kleiner Shuttlebus vor und der Fahrer ruft aus dem Fenster unsere Namen.

Unterkunft Selva Bananito Lodge Costa Rica
Unterkunft Selva Bananito Lodge

Er und der Beifahrer sprechen sogar deutsch und es stellt sich heraus, dass die Selva Bananito Lodge von einem Deutschen geführt wird. Wie wunderbar. 2 Stunden später erreichen wir die Lodge, irgendwo im nirgendwo und uns wird klar, dass wir hier nicht wieder so einfach wegkommen. Einen Mietwagen haben wir schließlich immer noch nicht …

Die Öko-Lodge liegt in der Provinz Puerto Limon, mitten im Regenwald. Die Unterkünfte sind einzelne Holzhütten auf Stelzen, die komplett offen sind, so dass sich auch das ein oder andere Tier willkommen fühlen könnte. Das Essen wird liebevoll zubereitet und alles ist dort sehr familiär. Natürlich muss man sich bewusst sein, dass man bei „Öko“ mehr bezahlt und gleichzeitig weniger Standard bekommt. Dafür steht die Lodge als Beispiel für den respektvollen Umgang mit der Natur und setzt sich für den Schutz und den Erhalt der natürlichen Ressourcen Costa Ricas ein. Strom sucht man allerdings vergebens, stattdessen müssen wir uns mit Kerzen und Taschenlampen aushelfen. Back to the Roots.

Da es in der Umgebung nicht viel zu sehen gibt und für morgigen Tag das Abenteuer aller Abenteuer ansteht, versuchen wir, zeitig und mit offener Tür zu schlafen. Klappt leider beides nicht, denn überall raschelt und quakt es. Zu allem Überfluss legen ab 5 Uhr die Brüllaffen mit ihrem Gebrüll los, als hätte sie es darauf angelegt, uns nicht länger schlafen zu lassen. Also starten wir nach dem Mittagessen am darauffolgenden Tag völlig übermüdet mit der Mission

„Eine Nacht im Dschungel“

Eine Nacht in Hängematten im Dschungel Costa Rica
Eine Nacht in Hängematten im Dschungel

Die Tour ist für max. 6 Personen ausgelegt und wir haben das Glück, denn wir sind alleine. Also wird das unser ganz persönliches Ding. Wir wissen nicht viel, was in den kommenden 24 Stunden auf uns zu kommt.Was wir wissen ist, dass wir laaange durch die Wälder der Talamanca-Bergkette wandern müssen, um zu dem selbstgebauten Plateau mitten im Regelwald zu gelangen, auf dem wir in Hängematten schlafen sollen, bzw. wollen … wir haben das ja zur Lodge dazu gebucht und diese Aktion war nicht ganz preiswert. Das war es aber auch schon an Informationen. Der Ausflug wird speziell durch die Selva Bananito Lodge angeboten und ist so nirgends sonst in Costa Rica zu bekommen, zumindest war das 2016 so.

Im Reiseangebot von damals heißt es „so garantieren wir Ihnen einen engen Kontakt mit der Natur und Erlebnisse, an die sich immer erinnern werden“ … Ich kann nur so viel sagen, es wurde Wort gehalten. Unser Guide Gusto sammelt uns gegen 14:30 Uhr ein und wir erfahren, dass das Plateau zwar nur 4 km von der Lodge entfernt ist, wir jedoch ca. 3 ½ bis 4 Stunden Wanderzeit einplanen müssen, da die Strecke ziemlich anspruchsvoll ist. Im Schlepptau hat Gusto einen zweiten Guide, der einen Rucksack mitschleppt, aus dem Seile und Karabinerhaken ragen.

Ich glaube, ich habe etwas von Abseilen und Schlucht verstanden, ich traue mich aber nicht weiter nachzufragen, vielleicht haben diese Utensilien ja nichts mit unserer Tour zu tun. Besser wäre das. Diese Tour ist laut Gusto nicht für jeden geeignet und ich merke schon zu Beginn, dass er nicht übertrieben hat. Es ist unfassbar heiß und schwül und der Weg sehr steil, teilweise muss man auf allen vieren klettern und kraxeln. Aber wir wollten es ja so. Glücklicherweise gibt es unterwegs so viel zu sehen, dass wir kleine Pausen einlegen, in denen Gusto uns allerhand erzählt und zeigt, wie die grünen Pfeilgiftfrösche, Spinnen, Blattschneideameisen und lauter anderer kleiner Tierchen. Die Wanderung führt durch Gebiete, in denen Jaguare und Pumas leben, wir halten zwar die Augen offen, bekommen aber keines dieses imposanten Tiere zu sehen.

Dschungelplateau Costa Rica
Dschungelplateau

Nach tatsächlich 3 ½ Stunden kommen wir fix und alle an diesem berühmt, berüchtigten Plateau an. Es sieht aus, wie eine große offene Holzbühne, mit einer kleinen Feuerstelle. Gusto spannt an die Holzpfeiler zwei Hängematten und ich muss gestehen, dass das nicht sonderlich bequem ausschaut. Immerhin sind wir überdacht. Guide Nummer 2 stellt den Rucksack mit diesen – für mich – unheimlichen Utensilien ab und macht sich wieder vom Acker. Straffe Leistung, die Strecke sofort wieder zurückzulaufen. An der Feuerstelle erscheint ein weiterer Herr, den haben wir bis dato noch nicht gesehen und es stellt sich heraus, dass er der Koch für unseren Aufenthalt im Dschungel ist. Ich frage mich, wie er so plötzlich zum Plateau gekommen ist, aber scheinbar ist auch er gewandert, denn eine andere Möglichkeit hier her zu gelangen gibt es nicht.

Dschungel-Klo Costa Rica
Dschungel-Klo

Ich schaute mich um und fragte mich, wo man denn hier wohl zur Toilette gehen kann. Das Dschungel-Plumps-Klo befindet sich ungefähr 30 Meter abseits vor einem tiefen Abgrund. Ein paar Meter muss man schon durch den dichten Wald gehen, um das Häuschen zu erreichen. Die Aussicht ist phänomenal, aber der Weg dorthin?! Mir ist klar, dass ich alles vermeiden muss, das mich in der Nacht zum WC zwingen könnte.

Der Koch zaubert den Anwesenden eine herrlich leckere Mahlzeit auf dem offenen Feuer und so langsam sind wir mental hier oben angekommen. Es wird sehr schnell sehr dunkel und kalt und auch hier sucht man Strom und Elektrizität vergebens. Gusto stellt überall Kerzen auf und zeigt uns dabei, was sich jetzt so schon so an Tieren in unserer Nähe befindet: Übergroße Heuschrecken und Glühwürmchen (eher Glühwürmer), diverse Spinnen und direkt über unseren Hängematten sitzt unter dem Dach ein Skorpion mit seinen gefühlt hundert Babies. Die Skorpionmama samt Babies werden von ihm jedoch vorsichtshalber liebevoll mit ein Stock entfernt. Dies sei dann doch etwas zu gefährlich, erwähnt er so beiläufig. Ich weiß nicht, wie ich diese Nacht überleben soll.

Zur Entspannung bekommen wir eine Flasche Rotwein spendiert, die jedoch nicht für gedachte Entspannung sorgt, sondern eher dem Bedürfnis das WC aufzusuchen verhilft. Gusto pustet zu unserem Entsetzen alle Kerzen aus und wir wissen, dass das Startsignal; jetzt geht es so richtig los. Gusto und Koch liegen kurze Zeit später in der Nähe der Feuerstelle auf ihren Matratzen auf dem Boden und schnarchen. X-mal müssen wir in der Nacht unsere Hängematten verlassen und das Klo am Rande des Abgrunds aufsuchen. Ohne Helli verlasse ich die Hängematte keinen Zentimeter, denn nur hier fühle ich mich, mit meiner Wolldecke von den Zehenspitzen bin zum Scheitel eingewickelt, halbwegs unerreichbar für Ungeziefer.

Und dann gab es diesen einen Gang zum Klo, der mir für immer in Erinnerung bleiben wird: wieder mit Taschenlampen bewaffnet stehen wir am Abgrund. Helli auf dem stillen Örtchen, ich nichtsahnend in Reichweite, als mir plötzlich mein Gefühl sagt, ich solle mal besser auf den Boden vor meine Füße leuchten. Und da sehe ich sie über meine Turnschuhe gleiten, diese schwarz/rote große Schlange, die ja offensichtlich nachtaktiv ist.

Ich erinnere mich sofort an die Worte des Guides in Tortuguero, was mich aber in dem Moment nur noch mehr in Panik versetzt und ich Helli über den schwarz/roten Besuch mit nicht mehr ganz so ruhiger Stimme informiere. Doch scheinbar hat die Schlange mehr Angst vor mir, als ich vor ihr und sie macht recht fix die Biege, noch ehe ich das Foto von ihr schießen kann :-). Bei mir ist es mit der Nachtruhe dann endgültig vorbei und ich warte nur noch zitternd in meiner Hängematte auf den Morgen, der sich dann aber auch recht schnell durch erneutes Brüllaffen-Gebrüll ankündigt.

Zum Frühstück zaubert uns der Koch wieder einheimische Speisen. Gusto schmunzelt bei der Schlangengeschichte und sagte, es könne sich bei dem Tierchen entweder um eine echte oder eine so genannte unechte Korallenschlange handeln. Diese unterscheiden sich lediglich durch unterschiedliche Farbkombinationen der Ringe auf der Haut. Wenn ich allerdings von einer echten Korallenschlange gebissen worden wäre, hätten wir schnellstmöglich in das nächste Krankenhaus wandern müssen, da er für dieses Gift kein Gegengift dabei hat. Danke für diese Info ?

Bevor wir die Rückwanderung mit Gusto und Koch antreten, können wir uns unter einem kleinen Wasserfall abduschen und es steht sogar selbstgemachtes Öko-Duschgel bereit. Der Rückweg führt uns an vielen kleinen und großen Wasserfällen vorbei. An einigen machen wir halt, um in der Hitze ein Erfrischungsbad zu nehmen. Ich stehe total auf Wasserfälle, was den Rückweg für mich zum Highlight macht und ich so das Schlangen-Trauma der letzten Nacht, zumindest für die knapp 5 Stunden Rückweg,vergesse. Plötzlich stehen wir vor einer „kleinen“ 30 Meter tiefen Schlucht und und ich suche vergebens eine Treppe nach unten. Ich hatte ihn ja schon fast vergessen, doch jetzt kommt er wieder ins Spiel, dieser geheimnisvolle Rucksack.

Und wie ursprünglich richtig vermutet und gekonnt verdrängt, steht nun Canyoning auf dem Programm. Ziemlich wackelig, aber erfolgreich, meisten wir die Schlucht und auch den Rest der anstrengenden Tour. Mit Schmerzen am ganzen Körper, aber voller einzigartiger Eindrücke, beenden wir diese Tour wieder an der Selva Bananito Lodge. Scheinbar sind aber nicht nur wir völlig fertig und geschlaucht, auch unsere tollen Begleiter sehen sichtlich mitgenommen aus.

Puma in der Nacht Costa Rica
Puma in der Nacht

Am nächsten Tag erfahren wir von dem Betreiber der Lodge, dass auf der Strecke sowie am Plateau Nachtsichtkameras angebracht sind, um Tiere besser beobachten und lokalisieren zu können. Außerdem sei dadurch schon der ein oder andere Wilderer vertrieben worden. Mit ihm gemeinsam schauen wir uns die Aufnahmen „unserer“ Nacht an. Neben Wildschweinen und Hasen sehen wir tatsächlich auf einer der Kameras ein Pumaweibchen, das sich scheinbar in unserer unmittelbaren Nähe befunden hatte. Was ein tolles Tier. Schade, dass wir das nicht bei Tag beobachten konnten. Das sollte auch die einzige Wildkatze sein, die wir auf unserer weiteren Reise zu Gesicht bekommen sollten.

Fazit
Ob wir diese Tour noch einmal machen würden? Ich glaube nicht! Nicht, weil sie uns nicht gefallen hat, im Gegenteil. Wir möchten diese Erfahrung zwar nicht missen, aber wir müssen das Ganze auch nicht nochmal auf uns nehmen. Aktuell habe ich leider keine Informationen mehr auf der Internetseite der Lodge zu diesem Ausflug gefunden, daher kann ich nicht sagen, ob das Dschungelabenteuer bzw. die Jaguar-Pirschtour so überhaupt noch angeboten wird.

08. – 11.04.2016
Puerto Viejo – Cahuita
Hotel Cariblue 

Die letzte Nacht in der Selva Bananito Lodge ist aufgrund des Muskelkaters, schmerzendem Rücken und wunder Füße eine einzige Katastrophe, obwohl wir eigentlich wie ein Stein schlafen müssten, so fertig wie wir sind. Gegen Mittag werden wir von Mitarbeitern der Lodge in den nächsten Ort gebracht. Dort nehmen wir unseren Mietwagen in Empfang und fahren 1 ½ Stunden bis Puerto Viejo, einer kleinen Küstenstadt in der Provinz Limón im Südosten des Landes. Diese Gegend ist bekannt für karibisches Flair, traumhafte Strände und die Surf-Community Costa Ricas. Wir relaxen den Rest des Tages am Hotel-Pool und erkunden anschließend die Umgebung.

Das Hotel ist gut, eher unspektakulär und auch das Frühstück reißt uns nicht sonderlich vom Hocker. Wir werden vom Security-Dienst des Hotels zunächst auf ein Faultier aufmerksam gemacht, dass über uns im Baum hängt, und dann auch gleich schon gewarnt, dass wir keine Wertgegenstände offen bei uns tragen sollen, da es hier in der Gegend nicht ganz ungefährlich sei. In diesem so friedlich wirkenden Urlaubsörtchen scheinen sich neben Raubstraftätern und Dieben, auch Drogenbosse und ihre Dealer unter das Volk gemischt zu haben. Wir haben davon allerdings nichts mitbekommen und haben uns auch nie wirklich unsicher gefühlt. In vielen Reiseforen und -berichten liest man allerdings die schlimmsten Dinge über diese Gegend. Offenbar wurden unsere Sinne durch den karibischen Charme, den dieses Örtchen versprüht, so benebelt, dass wir für alles andere kein Auge mehr hatten.

Faultierkrankenhaus - Sloth Sanctuary Costa Rica
Faultierkrankenhaus – Sloth Sanctuary

Am nächsten Tag fahren wir in das 15 km entfernte Cahuita, um die dortige Auffangstation verletzter und kranker Faultiere, der Sloth Sanctuary Station, zu besichtigen. Der Eintritt von 30 Dollar pro Person ist nicht ganz günstig, kommt aber den kranken Tieren zu Gute. Es war hoch interessant, etwas über die niedlichen Faulpelze zu erfahren. In den meisten Fällen müssen die Tiere in das Krankenhaus, weil sie versehentlich vom Baum auf einem Strommast klettern und wegen des Stromschlags herunterfallen (wenn sie das dann überhaupt überleben), weil sie von Hunden angegriffen oder von Fahrzeugen angefahren werden. Die Tiere, die gesund werden, können wieder in die Freiheit und die, die aufgrund ihrer Verletzungen da draußen nicht alleine lebensfähig sind, verbringen ihren Lebensabend in der Station bei Artgenossen. Der Ausflug dort hin ist wirklich zu empfehlen und dauert so um die 2-3 Stunden.

Manzanillo Costa Rica
Manzanillo

Von dort aus, fahren wir nach Manzanillo. Das idyllische Küstenstädtchen ist bekannt für seine langen karibischen Sandstrände. Die Straße dort wird immer mehr zur staubigen Piste, die plötzlich völlig im Sande verläuft. Hier tummeln sich die Einheimischen mit ihren Picknickkörben und es scheint, als ob sich hier ihr Rückzugsort versteckt. Wir wandern die im Sande verlaufene Piste von Bucht zu Bucht weiter und je weiter wir gehen, um so ruhiger und menschenleerer wird es. Das ein oder andere Mal lädt das Meer so zum Baden ein, dass wir nicht widerstehen konnten. Herrlich wenn man Bilderbuch-Buchten für sich alleine hat.

Kapuzineräffchen im Cahuita Nationalpark Costa Rica
Kapuzineräffchen im Cahuita Nationalpark

Nichtsdestotrotz lassen uns die Strände in der Gegend, die als schönste Strände Costa Ricas angepriesen werden, nicht vor Begeisterung ausflippen. Sie sind wunderschön und idyllisch, teilweise auch wild, scheinen völlig unberührt, aber für uns sind sie kein absolutes Highlight. Trotzdem sind wir froh, dass wir hier sind, denn es ist herrlich gemütlich, ruhig und ungezwungen. Und sollten wir noch einmal nach Costa Rica reisen, werden wir Manzanillo auch erneut besuchen.

Für unseren letzten Tag haben wir uns ein Highlight in der Gegend aufbewahrt, den Cahuita Nationalpark . Er ist einer der ältesten Nationalparks des Landes. Es gibt zwei Parkeingänge (Cahuita und Puerto Vargas), welche durch einen schönen 7 km langen Wanderweg verbunden sind, der immer entlang des tiefblauen Wassers um die Halbinsel herum führt. Betritt man den Park bei Puerto Vargas, so sind 10 Dollar Eintritt zu zahlen, am Eingang in Cahuita ist lediglich eine freiwillige Spende erwünscht. Aufgrund der dichten Vegetation ist ein Verlassen des Weges zur Landseite hin kaum möglich (und auch verboten). Da man in Costa Rica beim Wandern aufgrund der Vielzahl an giftigen Tieren ohnehin vorsichtiger sein sollte, wohin man welchen Fuß setzt, ist uns das ganz Recht und wir verlassen den Weg höchstens in Richtung Strand und Meer.

Cahuita Nationalpark Costa Rica
Cahuita Nationalpark

Vom Eingang Cahuita aus führt der Weg nach etwa 1 ½ Stunden zum einem wunderschönen Strandabschnitt, dem Strand Puerto Vargas. Auf dem Weg können wir neben Waschbären, Schlangen, Kapuziner- und auch endlich einmal diese lauten Brüllaffen, Eichhörnchen, Krabben und Echsen sehen. Die weiteren Strandanschnitte die folgen sind allerdings auch nicht zu verachten. Es soll hier auch Tukane, Faultiere und grüne Papageie geben, die haben wir allerdings nicht gesehen. Ich ärgere mich, denn seit Beginn unserer Reise ist mir noch kein Tukan vor die Linse geflogen. Dabei hätte ich mir so sehr gewünscht, diesen faszinierenden bunten Vogel einmal live zu sehen. Wir haben zwar noch ein bisschen Zeit und ich bin ständig auf der Jagd.

Als mir aber nach und nach andere Urlauber erzählen, wie schwierig es ist einen Tukan tatsächlich zu sehen, verzweifele ich fast. Die Tukane verstecken sich in der Regel in hohen Baumkronen und sind daher eher zu hören, als zu sehen. Vielleicht habe ich aber doch Glück und erwische zufälligerweise einen Tiefflieger. Wir machen Rast an einem geeigneten Platz mit Sitzmöglichkeiten, an dem sich auch schon einige andere Besucher niedergelassen haben, die nichtsahnend ihre Butterbrote auspacken, als einige Kapuziner-Affen ihre Chance nutzen und sich an den Sachen der unachtsamen Touris bedienen. Aber nicht nur Lebensmittel stehen auf der Liste der flinken Diebe. Handys, Kameras, Rucksäcke, Jacken … alles was nicht niet und nagelfest ist, wird versucht mitgehen zu lassen.

Durch die bewusste Fütterung der Menschen in der Vergangenheit haben die Tiere ihre natürliche Scheu – und scheinbar auch jede Hemmschwelle 🙂 – verloren. Auf so eine Dreistigkeit können wir verzichten und ziehen uns unbemerkt zurück. Der Rückweg führt uns über den selben Weg nach Cahuita zurück und trotzdem bleibt es spannend,. Immer wieder sehen und hören wir Tiere und können die Schönheit der dortigen Natur wirklich ganz entspannt genießen.

Fazit:
Unser Aufenthalt in Puerto Viejo und Cahuita geht zu Ende und wir sind glücklich über das, was wir hier sehen und erleben dürften. Wir fanden dieses Fleckchen Erde wirklich toll und würden die Gegend an der Karibikküste jederzeit wieder besuchen, Kriminalität hin oder her.

11. – 13.04.2016
Arenal – La Fortuna
Hotel Arenal Volcano Inn 

Auf dem Weg nach La Fortuna - Vulkan Arenal Costa Rica
Auf dem Weg nach La Fortuna – Vulkan Arenal

Auf diesen Stopp habe ich mich schon die ganze Zeit gefreut. Wir fahren 5 Stunden zum Ort La Fortuna, einem der beliebtesten Touristenziele in Costa Rica und das nicht zuletzt aufgrund des imposanten Vulkan Arenal. Er ist der jüngste und aktivste Vulkan im Land und sogar einer der aktivsten Vulkane der Welt. Er sieht aus gemalt, eben wie man sich einen Vulkan so vorstellt. Unser Hotel liegt direkt an seinem Fuße und jedes Zimmer hat uneingeschränkten Blick auf diesen eindrucksvollen Berg. Bei klarer Sicht kann man sogar minimal Rauch aufsteigen sehen. Ein bisschen unheimlich ist das schon, aber die Faszination siegt. Das Hotel ist ganz nach unserem Geschmack und hat neben gemütlichen und schönen Zimmern, einem Poolbereich mit Jacuzzi, ausgezeichnetem Frühstück auch einen ausgesprochen netten Service.

Am ersten Morgen wollen wir zunächst gar nicht aufstehen, so schön ist der Blick vom Bett auf diesen makellosen Vulkan. Wir machen uns dennoch auf den Weg zum Arenal Volcano Nationalpark und wandern zwei Trails, bei denen wir erneut über die einmalige Natur dieses kleinen Landes staunen. 5 Stunden spazieren wir durch Wälder und Felder, über Brücken und hartes Lavagestein vergangener Vulkanausbrüche, vorbei an Seen und Felsen, und fast immer haben wir den Vulkan im Blick. Gut, dass ich genügend Speicherkarten für die Kamera dabei habe. Anschließend wollen wir uns eigentlich noch den Wasserfall von La Fortuna anschauen, doch mit dieser Idee sind wir nicht alleine.

Der Parkplatz ist brechend voll und Menschenmassen drängeln sich auf dem schmalen Trail, der in Richtung Wasserfall führt. Da wir nur noch heute hier in La Fortuna sind, müssen wir die Wasserfallbesichtigung leider bei unserem nächsten Aufenthalt in Costa Rica nachholen. Schade. Stattdessen schlendern wir zum Abschied noch ein bisschen durch die hübschen Straßen von La Fortuna und nutzen die Gelegenheit das ein oder andere Souvenir in den urigen Lädchen zu ergattern.

Fazit
Ein unbedingtes Muss bei einer Reise durch Costa Rica. Der Aufenthalt hier in der Gegend war leider zu kurz. Es hätte ruhig ein bisschen mehr Zeit sein dürfen … das nächste Mal vielleicht 🙂 und dann aber auch in diesem Hotel.

13. – 15.04.2016
Rincón de la Vieja
Hotel Hacienda Guachipelin 

Die Fahrt hoch in den Nordwesten des Landes dauert wieder 5 Stunden. Eigentlich wollen wir auf dem Weg noch einen Abstecher zum Rio Celeste Wasserfall einlegen. Sein See zeichnet sich durch eine markante Türkisfärbung aus. Leider führt uns das Navi aber unbemerkt über eine andere Strecke und so verfehlen wir den Weg dort hin. Dann auch das eben beim nächsten Mal :-).

In Rincón de la Vieja werden wir im dortigen Nationalpark die naturbelassene Wildnis, brodelnde Schlammbecken und einen ebenfalls aktiven Vulkan zu sehen bekommen. Über unsere dortige Unterkunft haben wir unterschiedliche Bewertungen gelesen und unsere Erwartungen sind nicht allzu hoch. Wir sind allerdings eher positiv überrascht: Zimmer, Pool und Umgebung scheinen völlig in Ordnung. Lediglich das Essen sagt uns hier zum allerersten Mal unserer Reise nicht zu. Ausweichmöglichkeiten haben wir was das angeht allerdings nicht, die Hacienda liegt sehr weit außerhalb und was wir im nächstgelegenen Dorf finden, ist lediglich ein kleiner Supermarkt.

Catarata Falls Costa Rica
Catarata Falls

Das weitläufige Gelände der Hacienda schaut schon vielversprechend aus und wird sofort erkundet. Wir folgen einem kleinen unauffälligen Trail, der uns laut Hinweisschild zu den Catarata Wasserfällen führen soll. Nach 30 Minuten sind wir am Ziel und hellauf begeistert. Was für eine traumhafte Kulisse. Wir sind die einzigen Personen hier und können uns in dem kalten See der beiden Wasserfälle ausgiebig erfrischen. Bei Einbruch der Dämmerung müssen wir uns leider auf den Rückweg machen (ich glaube, sonst wären wir jetzt noch da), denn an eine Taschenlampe haben wir nicht gedacht.

Für den nächsten Morgen haben für uns eine Wanderung durch den Nationalpark Rincón de la Vieja vorgenommen. Es gibt hier drei Wanderrouten, zwei davon sind mit Hin- und Rückweg ungefähr 10 km lang und führen jeweils zu Wasserfällen. Die Strecke wäre eigentlich kein Problem, aber es ist an diesem Tag so schrecklich heiß, dass wir uns für die kürzere Route entscheiden, für die wir 2 Stunden einplanen. Während der Wanderung passieren wir blubbernde Schlammlöcher und dampfende Erdspalten, die aufgrund der Aktivität des Vulkans Rincón de la Vieja entstehen. Leider sehen wir keine der dort beheimateten Tiere, wie Nasenbären, Gürteltiere oder Tukane und so fotografiere ich fleißig die heißen und brodelnden Schlammlöcher, was eigentlich nicht viel Sinn macht.

Es ist ja noch nicht heiß genug und so nutzen wir nach Beendigung der Wanderung den freien Eintritt für Gäste der Hacienda im nahe gelegenen Park Rio Negro Hot Springs und ehe wir uns versehen köcheln unsere ohnehin schon erhitzten Körper in den unterschiedlich heißen Naturbecken. Die heißen Temperaturen an diesem Tag, lassen den Park leer bleiben und auch wir, die einzigen Besucher, suchen recht schnell wieder das Weite. Wir werden auf einen kleinen Trail gegenüber des Parks, der für unseren Geschmack viel zu heißen Quellen, aufmerksam. Der unauffällige Trail führt laut Hinweisschild zu einem Wasserfall. Eine Abkühlung ist jetzt genau das Richtige und nach einem kurzen Marsch erreichen wir den kleinen aber feinen einsamen Wasserfall. Wir sind auch hier ungestört und genießen die Erfrischung, bevor unser letzter Tag hier im Nordwesten zu Ende geht.

Fazit
Der Aufenthalt in der Hacienda war besser als gedacht und die Umgebung war wirklich spektakulär und sehenswert. Die Erkundung dieses Gebietes gehört zu einer Costa Rica Reise einfach dazu. Bei einer zweiten Reise würde ich auf einen Besuch allerdings verzichten und würde dann eher die Nicoya-Halbinsel im Westen des Landes für einige Tage besuchen. Hier soll es angeblich die schönsten und beliebtesten Strände des Landes geben.

15. – 18.04.2016
Uvita
Hotel Finca Bavaria 

Die Fahrt zurück in den Süden dauert fast 6 Stunden und führt an dem Fluss Rio Tarcoles vorbei. Er gilt als der Fluss mit den meisten Krokodilen in Costa Rica und schon von Weitem können wir aufgrund der vielen Touris, die sich auf der vor uns liegenden Brücke tummeln, erahnen, dass wir den Krokodil-Fluss erreicht haben. Ein Blick von den Brücke genügt, überall Krokodile. Aber sie liegen nur faul in der Sonne und bewegen sich so gar nicht, also setzen wir unsere Fahrt weiter fort.

Strand Marino Ballena Nationalpark Costa Rica
Strand Marino Ballena Nationalpark

Unser Hotel in Uvita, welches sich in der Nähe zum bekannten Marino Ballena Nationalpark befindet, soll laut Internetwertungen sehr gut sein. Die Lage der Finca mit Meerblick ist traumhaft und für den Rest des Tages bleiben wir an dem bisher besten Pool unserer Reise. Die Zimmer sind allerdings sehr klein und die Betten unfassbar unbequem und viel zu schmal für uns beide. Die Nächte sind wirklich katastrophal und auch hier werden wir in den frühen Morgenstunden von Brüllaffen am Schlaf gehindert. Das Hotel wird von zwei Deutschen geführt, die bemüht sind, den Gästen den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Das Frühstück ist okay und mit Anmeldung zum Abendessen wird durch den Chef persönlich der Kochlöffel geschwungen. Kochen kann er aber.

Leider spielt das Wetter nicht so richtig mit und es regnet häufig, so dass die in der Umgebung besuchten Wasserfälle durch das aufgewühlte und hohe Wasser leider nur weniger schön anzusehen sind. Ohne Sonne schimmert das Wasser auch einfach nicht so hübsch und meine Fotos wirken trist und farblos. Daher fällt leider auch ein Besuch der Nauyaca-Wasserfälle flach, die ich so gerne gesehen hätte. Es soll sich um die schönsten Wasserfälle im Land handeln, aber bei ständigem Regen macht das leider keinen Sinn, zumal der zweistündige Weg dorthin auch durch den aufgeweichten Boden enorm erschwert und nicht ganz ungefährlich wird. Generell trägt der Regen in diesen Tagen nicht unbedingt zur Erkundungsmotivation bei. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass wir einfach zu geschlaucht sind, denn hier fehlen uns tatsächlich einige Stunden Schlaf.

Im Marino Ballena Park soll der schönste Strand der Gegend sein, der Uvita Beach, und da sich die Sonne ausnahmsweise blicken lässt, machen wir uns euphorisch auf den Weg. Die Euphorie ist allerdings von kurzer Dauer, denn schön ist der Strand, mehr aber auch nicht. Im Internet haben einige Beiträge gelesen, dass es dort vermehrt zu Diebstählen und Raubstraftaten am helllichten Tag gekommen ist.

Marino Ballena Nationalpark Costa Rica
Marino Ballena Nationalpark

Die dreisten Diebe schleichen sich von hinten, durch das Dickicht an die am Strand liegenden Touristen an und greifen nach Taschen und Rucksäcken und verschwinden wieder im Gebüsch. Daher fühlen wir uns nicht ganz so wohl, als wir uns unter einer Palme, direkt an einem dichten Waldstück, niederlassen. Eigentlich wird bei Ebbe ein Teil des Strandes sichtbar, der von oben wie eine große Fischflosse aussieht.

Wir haben allerdings keine Geduld, um auf die fortgeschrittene Ebbe zu warten und verlassen den Park wieder. Stattdessen legen uns für den Rest des Tages an den wunderbaren Pool. Das Wetter macht auch mit und dann ist es endlich soweit! Ich kann endlich mein langersehntes Foto schießen. Über uns in den Bäumen tummeln sich ganz viele Tukane und ich habe ab und zu Glück, dass sie sich auf einem tieferliegenden Ast niederlassen. Aus einem Foto werden gefühlt Hundert und ich bin für den Rest des Tages nur damit beschäftigt auf tieffliegende Tukane zu warten. Diese Tiere sind einfach so wunderschön, dass ich sie stundenlang mit meiner Kamera jagen könnte.

Fazit
Trotz meines Tukan-Erfolgserlebnisses sind wir froh, als wir zur vorletzten Station unserer Reise aufbrechen. Uvita hat uns leider aufgrund des schlechten Wetters und des mehr oder weniger schlaflosen Nächte nicht so überzeugt. Ich glaube aber, dass die Gegend sehr sehr schön ist, man muss sich nur entsprechend Zeit nehmen, alles auf sich wirken zu lassen und das am besten noch bei gutem Wetter. Wir hatten an den Tagen dort einen absoluten Durchhänger und tun dem urigen Dörfchen mit unserer Auffassung vermutlich Unrecht, denn nicht umsonst ist der Ort in den letzten Jahren zum Touristenreisezentrum der Region geworden und enorm gewachsen.

18. – 22.04.2016
Corcovado Nationalpark
La Leona Eco Lodge 

Unsere zeltähnliche Unterkunft in der La Leona Lodge Costa Rica
Unsere zeltähnliche Unterkunft in der La Leona Lodge

Das Gebiet des Corcovado liegt im Südwesten der Osa-Halbinsel und gehört aufgrund der Dichte vieler vom Aussterben bedrohter Tier- und Pflanzenarten zu den biologisch bedeutendsten Plätzen der Welt. Die Fahrtzeit zum Basecamp in Carate dauert auch wieder fast 6 Stunden. Die Straßenverhältnisse sind teilweise unterirdisch. Die Regenzeit hat begonnen und einige Straßenabschnitte sind leicht überflutet, wir können sie aber dennoch vorsichtig passieren.

In Carate sollten wir unseren Mietwagen abgeben. Die Lodge ist fußläufig 4 km am Strand entlang, in 30 Minuten zu erreichen, so hieß es. Unsere Koffer sollen dann per Pferdekarren nachgeliefert werden. Im Glauben, Carate sei ein größerer Ort, kommen wir am Ende einer Fünf-Häuser-Straße – mitten im Nichts, aber in direkter Strandlage – an und dachten zunächst, wir hätten uns verfahren. Ein Schild mit der Aufschrift „La Leona Base Camp“ beruhigt uns, aber nirgends entdeckten wir irgendetwas, das nach einem Camp oder irgendetwas Vergleichbarem aussieht. Und wo sollen wir denn hier unseren Mietwagen lassen?

Ein älterer Herr kommt aus seiner Holzhütte auf uns zu und erklärt Etwas auf Spanisch. Und da ist wieder einer dieser wenigen Momente, in dem uns die fehlenden Sprachkenntnisse zu schaffen machen. Unbeeindruckt davon, dass wir kein Wort verstehen, erzählt er einfach weiter, nimmt unsere Koffer und deutet uns mit Händen und Füßen, dass wir an seiner Hütte parken können und in welche Richtung wir nun laufen müssen. Ich weiß nicht, wie wir uns verständigen konnten, aber ohne Koffer machen wir uns am Strand entlang auf den Weg, ohne zu wissen, wie weit eigentlich und wo sich unsere Lodge genau befindet. Und so vergingen die Minuten … in praller Sonne, mit nur einer Flasche Wasser stapfen wir durch den weichen Sand.

Wanderung zur La Leona Lodge am Strand entlang Costa Rica
Wanderung zur La Leona Lodge am Strand entlang

Die angekündigten 30 Minuten sind schon längst um und noch immer ist nichts von einer Lodge zu sehen … und vielleicht sind wir auch unbemerkt bereits daran vorbei. Es ist einer dieser Aggro-Momente, an denen man gedanklich schon mit dem Urlaub abschaltet und einfach nur noch nach Hause möchte. Bis dahin wissen wir ja noch nicht, dass wir hier mit die schönsten Tage unserer Reise verbringen werden. Die Sonne knallt, der Sand in den Schuhen nervt und scheuert bereits, die Wasserflasche ist mittlerweile leer und nirgends sind Menschen zu sehen, die einem weiterhelfen könnten. Ich werde leicht panisch und sehe uns schon verdurstend SOS in den Sand schreiben.

Nach 1 ½ Stunden (!!) kommen wir dann doch an der Lodge an. Scheinbar sieht man uns die Erschöpfung an, flößt uns einen großen Welcome-Drink ein und fragt dabei schmunzelt, warum wir nicht den Trail hinter dem Strand entlang gelaufen sind. Dieser sei doch viel schneller und angenehmer zu bewältigen. Gut, dass wir zu fertig sind, um uns zu ärgern, immerhin ist dieser Hinweis aber hilfreich für den Rückweg.

Von der La Leona Lodge sind wir sofort begeistert. Die einzelnen Zimmer bestehen aus kleinen Zelt-Hütten mit Open Air Dusche. Es gibt kein warmes Wasser und nur zweimal am Tag für wenige Stunden Strom, damit die Kühltruhen und -schränke an der Bar einschaltet werden können. Wir können in dieser Zeit unsere Handys an der Bar/Rezeption aufladen, da hier jedoch kein WLAN vorhanden ist, ist das Aufladen eigentlich auch nutzlos. In den Zelten gibt es lediglich Kerzen und eine Dusche mit Kokosnuss-Brause, aus der auch nur spärlich kühles Wasser tröpfelt.

Es ist aber sehr heiß und schwül, von daher dürfte das mit dem kalten Wasser unproblematisch sein. In dem Zelt steht ein Bett und es ist gerade Platz für unsere Koffer, die im Übrigen einige Zeit später tatsächlich durch den älteren Herren mittels Pferdekarren gebracht werden. Unser Zelthaus liegt direkt am Meer. Das Meer ist hier sehr wild und die Wellen knallen mit voller Wucht an den Strand. Schwimmen ist hier aufgrund der Strömung nicht ganz ungefährlich, so dass wir zur Abkühlung nur bis zu den Knien ins Wasser gehen. Da wussten wir allerdings noch nichts über die giftigste Wasserschlange, die dort umher schwimmt … dazu später mehr. Überall im Garten sind Hängematten angebracht und das ständige Rauschen und Tosen des Meeres macht diesen Ort zu etwas Besonderem. Häufig lassen sich wilde Papageien, die roten Aras, in den Bäumen und Sträuchern nieder und ich befinde mich wieder auf Schnappschuss-Jagd.

Wir haben hier Vollpension, alles andere wäre auch sinnlos, denn es gibt um uns herum einfach nichts. Die Welt könnte untergehen, hier bekämen wir nichts davon mit. Das Essen ist sehr gut und die Mitarbeiter sind ausgesprochen aufmerksam. Da die Nebensaison gerade begonnen hat, sind wir mit drei anderen Pärchen die einzigen Gäste in der Lodge. Aufgrund der Weitläufigkeit und den vielen Ausflügen die dort angeboten werden, sehen wir diese meist nur beim Essen.

So beeindruckend und entspannend das Rauschen des Meeres am Tag auch sein mag, so wird uns nachts das erste Mal richtig bewusst, wie laut es eigentlich ist. Hinzu kommt die unerträgliche Schwüle und so finden wir hier auch keinen erholsamen Schlaf. Das macht aber nichts, denn dieses traumhafte Fleckchen lässt einfach jeglichen Schlafmangel unwichtig erscheinen. Am Morgen entdecken wir in unserer offenen Dusche eine überdimensional große Kröte und ich bin froh, dass wir alle Reißverschlüsse zum „Schlafzimmer“ ordentlich zugezogen haben. Da unser Gast keine Anstalten macht, unsere Räumlichkeiten zu verlassen, gewähren wir ihm Unterschlupf in der Hoffnung, dass er sich irgendwann selbst vom Acker macht.

Kleiner Nasenbär im Corcovado Nationalpark Costa Rica
Kleiner Nasenbär im Corcovado Nationalpark

Wir haben eine Tour durch den Corcovado Nationalpark gebucht, den man nur mit einem ausgebildeten Guide betreten darf. Die Tour dauert insgesamt 4-5 Stunden und es dauert ein bisschen, bis wir die ersten Tiere sehen: Affen in Baumkronen – die scheinbar wütend über unseren Besuch sind und kurz davor zu sein scheinen, uns mit ihrem Kot zu bewerfen, schlafende Fledermäuse unter Blättern – die ihr Schläfchen jedoch ungehindert fortsetzen, die unterschiedlichsten Vögel – deren Namen ich mir aber einfach nicht merken kann, Pfeilgiftfrösche (gestreifter Blattsteiger und Goldbaumsteiger) auf und unter dem Laub – bei denen wir lieber Sicherheitsabstand halten, Nasenbären am Wegrand – die sich aber durch uns nicht aus der Ruhe bringen lassen und dann sehen wir sogar mit etwas Glück noch einen Ameisenbären! Das ist aber der erste und letzte Ameisenbär auf unserer Safaritour.

Grüner Pfeilgiftfrosch im Corcovado Nationalpark Costa Rica
Grüner Pfeilgiftfrosch im Corcovado Nationalpark

Wir erfahren, dass hier ein Tapir sein Revier hat und auch wenn ich zu dem Zeitpunkt gar nicht weiß, was ein Tapir ist, würde ich ihn zu gerne einmal sehen. Leider reicht es nur für seine Hufspuren im Sand. Zum Schluss erfahren wir dann von der giftigen Wasserschlange. Sie hält sich meist in Strandnähe auf und beißt nur zu, wenn man ihr zu nahe kommt oder sie gar fangen will. Hat sie dann einmal zugebissen, ist nicht mehr viel zu machen. Für uns Grund genug, vom Strand und Meer etwas Abstand zu halten.

Die restliche Zeit genießen wir die Ruhe und Einsamkeit, mit der nächtlichen Lautstärke und der Schwüle haben wir allerdings bis zum Schluss zu kämpfen. An der Lodge gibt es einen zweistündigen Self-Guide-Trail, den wir gemütlich entlang wandern, um uns ein bisschen zu bewegen und sehen auch einige Tiere.

Leider verpassen wir aus unerklärlichen Gründen die Möglichkeit, hier einen Strandausritt zu buchen und ärgern uns hinterher darüber. Bei anderen Gästen sah das so traumhaft aus und hinterher berichteten sie uns, dass diese Tour einmalig war. Zu Hause stehen wir kurz davor, als vermisst gemeldet zu werden, da wir aufgrund des nicht verfügbaren WLAN in den letzten Tagen nichts von uns hören gelassen haben.

An unserem Abreisetag bin ich richtig sentimental, selten habe ich ein solches naturbelassenes Paradies gesehen. Aber irgendwann muss man in die Zivilisation zurück und außerdem müssen wir uns dringend bei unseren Liebsten melden. Unsere Koffer werden mit dem Pferdekarren wieder zum Basecamp gebracht und auch wir brechen auf, dieses Mal über den richtigen Weg.

Fazit
Wir haben auf diesem Ausflug sehr viel Neues und Spannendes gesehen und gelernt. Naturliebhaber kommen hier voll und ganz auf ihre Kosten. Der Corcovado ist bei einer Reise durch Costa Rica absolutes Pflichtprogramm.Die La Leona Lodge war für mich das Highlight unserer Reise. Eine Oase mitten im Dschungel und direkt am einmaligen Corcovado Nationalpark. Naturverbundener geht es nur auf dem Dschungelplateau :-).

22. – 24.04.2016
San Gerardo de Dota
Trogon Lodge 

San Gerardo de Dota Costa Rica
San Gerardo de Dota

Von Carate fahren wir über 6 Stunden nach San Gerardo de Dota. Über diesen Ort im Hochland, knapp 2500 Meter hoch, sind nicht viele Informationen im Internet zu finden. Es soll sich hier auch noch um einen Geheimtipp handeln. Die Strecke dorthin ist anspruchsvoll, steil und sehr kurvig. Irgendwann sind wir wieder mal im Nichts, aber überraschenderweise geht es doch noch etliche Kilometer weiter. Nach unzähligen Kurven, Steigungen und Gefällen kommen wir an, noch tiefer im Nichts. Wir sind aufgrund der Hitze im Corcovadogebiet leicht bekleidet und haben wegen der Klimaanlage im Auto den Temperatursturz nicht bemerkt. Als wir mit unseren Flipflops das Auto verlassen, trifft uns fast der Kälteschlag und wir wissen sofort: hier finden wir es doof :-).

Die Lodge ist recht nett und liegt zwischen den Bergen. Der Altersdurchschnitt der Gäste ist weit über unserem und wir kommen uns völlig fehl am Platz vor. In unserem Reisepreis ist lediglich Frühstück und da wir was Mittag und Abendessen angeht nicht auf die Lodge angewiesen sein wollen, haben wir ein Problem. Wir suchen vergebens nach einem Supermarkt, einem Restaurant oder einem Geldautomaten und erfahren, dass wir dafür wieder 40 Minuten aus dem öden Tal fahren müssen. Also machen wir auf den Weg.

Mittlerweile ist es dunkel und die Fahrt eine spannende Angelegenheit, denn so richtig wissen wir nicht wo wir lang müssen. Den Geldautomaten finden wir, dank der spanischen Wegbeschreibung eines Ticos, der zufällig unseren Weg kreuzt. Wir machen zwar keinen Supermarkt ausfindig, aber eine Art Kantine, in der Arbeiter scheinbar nach Feierabend günstig ihr Abendessen in größerer Runde genießen. Auf das Essen verzichten wir, da für uns nicht erkennbar ist, um was es sich dabei handelt. Hier im tiefsten Costa Rica hat man scheinbar noch nie Touristen gesehen, geschweige denn die englische Sprache gehört, desto bemühter sind die Anwesenden jedoch, uns unsere Wünsche zu erfüllen. Und so bekommen wir an dem Abend in diesen kantinenähnlichen Lokalität tatsächlich noch einige Flaschen Wasser und einheimisches Bier.

San Gerardo de Dota Costa Rica
San Gerardo de Dota

Am Abend klopft das Hotelpersonal an unsere Zimmertür, bringt zwei Wärmflaschen vorbei und macht für uns den Kaminofen an. Trotzdem muss ich gefühlt alles anziehen, was ich eingepackt habe. Da wir uns mit San Gerardo de Dota und den Temperturen überhaupt nicht anfreunden können, verzichten wir auf einem Ausritt mit dem Pferd durch die Berge. Das Wetter ist eh nicht berauschend. Wir finden in der Nähe ein kleines, unauffälliges aber gutes Restaurant, das Miriam’s Quetzals. Wir werden zwar nicht so wirklich satt, aber es gibt keine Alternativen. Die Gegend hier scheint der Hotspot für Vogelliebhaber zu sein, überall lauern die Touristen den bunten Vögeln hinterher, in der Hoffnung, den seltenen Quetzal vor das Fernglas zu bekommen. Für Federvieh haben wir uns bisher noch nie so sonderlich begeistern können, daher können wir diese Euphorie nicht teilen und verzichten auch auf die von der Lodge angebotene Quetzal-Tour. Damit sind wir vermutlich ein Einzelfall unter den San Gerardo de Dota-Besuchern.

Fazit (kurz und schmerzlos)
Leider hat es uns hier überhaupt nicht gefallen und diese Ecke von Costa Rica würde ich nicht wieder besuchen. Die Tage, die wir hier verbracht haben, haben uns an anderer Stelle gefehlt.

Wir haben noch eine letzte Nacht in San José, bevor es wieder in die Heimat geht und haben die Möglichkeit auf dem Weg, den Irazu Vulkan zu besichtigen. Er ist der höchste Vulkan und seine 5 Krater ähneln einer Mondlandschaft. Laut Internetbewertungen macht die Tour dorthin nur Sinn, wenn der Himmel wolkenfrei ist. Da wir das nicht einschätzen können, überlegen wir uns, auf direktem Weg nach San José zu fahren und suchen im Vorfeld eine Möglichkeit, dort noch den geplanten Ausritt nachzuholen. Wir fanden die Barking Horsefarm und nahmen kurzfristig Kontakt auf und buchten einen dreistündigen Ausritt durch die Wälder von San José.

24. – 25.04.2016
San José
Holiday Inn Express San José Central City 

Die Fahrt zur Ranch dauert ungefähr drei Stunden. Es hätte auch schneller gehen können, wenn wir sie auf Anhieb gefunden hätten. Die Besitzerin ist sehr nett und wählt für uns anhand unserer Reitkenntnisse die Pferde aus. Helli bekommt daher das ruhigste Anfängerpferd, das zu kriegen ist. Unser Guide spricht leider nur Spanisch, so dass die drei Stunden Tour ohne viele Worte und Erklärungen abläuft. Die Landschaft ist aber wunderschön und ich genieße es einfach, endlich wieder mal auf einem Pferd zu sitzen. Auch Helli scheint seine Freude an diesem Ausflug zu haben und meistert seine erste Erfahrung auf einem Pferderücken ohne Stürze mit Bravour.

Von dort fahren wir in unsere letzte Unterkunft, die sich direkt in der Nähe des Flughafens befindet und geben dort unseren Mietwagen ab. Organisatorisch läuft auch hier alles bestens. Das Hotel ist gut, um praktisch in Flughafennähe zu sein. Zu sehen gibt es hier allerdings nichts. Nebenan befindet sich ein Burgerladen und wir freuen uns, nach 3 Wochen mal wieder deftige und fettige Nahrung zu verschlingen. Am Morgen werden wir abgeholt und zum Flughafen gebracht. Ich bin eigentlich fast immer sentimental, wenn eine Reise zu Ende ist, dieses Mal verlasse ich das Land aber sogar mit zwei weinenden Augen.

Fazit:

Selfietime an Costa Ricas Pazifikküste Costa Rica
Selfietime an Costa Ricas Pazifikküste

Zunächst hat mit Moja Travel von Anfang bis Ende alles perfekt geklappt und die Reise war durchweg Top durchorganisiert. Hier werden einem 1 zu 1 die eigenen Erfahrungen der Mitarbeiter weitergegeben …

Mich hat Costa Rica fasziniert, Helli leider nicht soooo sehr. Ich finde, Costa Rica ist ein unglaublich interessantes und beeindruckendes Land und für Natur- und Tierliebhaber ein absoluter Traum. Leider haben wir nicht so viele Tiere gesehen, wie wir vor Beginn der Reise erwartet hätten, vielleicht waren wir aber von unserer Südafrikareise etwas verwöhnt. Diese Rundreise war mit Abstand unsere spannendste und abenteuerlichste, aber bislang auch die anstrengendste, weil wir unglaublich viel unterwegs waren und lange Autofahrten auf uns nehmen mussten, um von A nach B zu gelangen. Dies war jedoch weniger der Entfernung, sondern viel mehr den schlechten Straßenverhältnissen geschuldet.

Costa Rica ist zudem leider auch nicht ganz billig und alles in allem, war das bislang auch unsere teuerste Reise, neben der nach Hawaii und Kalifornien. Ich möchte aber nochmal irgendwann hin, wenn es nicht so viele andere Ziele geben würde, die ich noch sehen möchte. Vielleicht würde ich auch eher das günstigere Nicaragua wählen, denn landschaftlich soll Nicaragua seinem Nachbarland in keinster Weise nachstehen. Optimal wäre natürlich eine Kombi aus beiden Ländern, hierzu bräuchte man aber wirklich mindestens vier bis sechs Wochen, denn die drei Wochen in Costa Rica waren schon knapp. Unsere fehlenden Spanischkenntnisse waren nur selten ein Problem. Die Ticos und Ticas sind so herzlich und bemüht, sie versuchen wirklich mit Händen und Füßen zu kommunizieren, bis man sich irgendwann verstanden hat.

Alles in allem – für mich – eine gelungene Reise, wenige Kleinigkeiten würde ich im Nachhinein jetzt anders planen, wie z.B. den Aufenthalt in San Gerardo de Dota. Ich kann euch dieses Land wirklich ans Herz legen …

Menü schließen